Wer Französisch vom Englischen aus lernt, findet im subjonctif die Mauer, an der er aufgibt. Nicht weil der Modus schwer zu bilden wäre, die Endungen sind fast alle vorhersagbar, sondern weil es diesen Modus im Englischen praktisch nicht mehr gibt. Es fehlt also jedes Gefühl, an das man anknüpfen könnte. Die Lehrwerke drücken den Lernenden eine Liste mit vierzig „Auslöserausdrücken“ in die Hand und wünschen viel Glück.

Die englischsprachige Welt hat darauf mit einem Akronym geantwortet: WEIRDO. Sechs Buchstaben, sechs Kategorien, und aus vierzig Auslösern werden sechs Ideen.

Diese Mauer hast du nicht. Den Konjunktiv benutzt du täglich (er sagte, er komme, ich wäre gern dabei, wenn ich Zeit hätte), der subjonctif ist für dich also keine neue Kategorie. Das Wort WEIRDO solltest du trotzdem kennen, weil es dir in englischsprachigen Lehrwerken, Videos und Foren ständig begegnet. Aber behandle es als das, was es für dich ist: ein Name für eine Liste. Als Merkhilfe leistet es nichts, denn weirdo ergibt auf Deutsch kein Wort und der Anfangsbuchstabe von „Wunsch“ oder „Zweifel“ passt sowieso nicht dazu.

Deine eigentliche Arbeit ist eine andere, und darum geht es in diesem Artikel: die Auslöserliste.

Teil der Serie French Conjugation Memory Tricks.

Warum dein deutsches Sprachgefühl hier in die Irre führt

Deutsch und Französisch haben beide einen Konjunktiv, aber sie schalten ihn aus völlig verschiedenen Gründen ein.

  • Deutsch schaltet grammatisch: bei indirekter Rede (er sagte, er komme) und bei irrealen Bedingungen und Wünschen (wenn ich Zeit hätte, ich wäre gern dabei).
  • Französisch schaltet lexikalisch: nach bestimmten Ausdrücken. Nach il faut que, vouloir que, bien que, pour que, avant que steht der subjonctif, weil es genau diese Ausdrücke sind, nicht weil der Satz irreal wäre.

Das ist der ganze Unterschied, und er hat eine unbequeme Folge: Dein Gefühl dafür, wo ein Konjunktiv hingehört, zeigt im Französischen auf die falschen Stellen. Il dit qu'il vient steht im Indicatif, obwohl du „er sagte, er komme“ mit Konjunktiv bildest. Umgekehrt verlangt bien qu'il soit fatigué den Subjonctif, obwohl „obwohl er müde ist“ bei dir im Indikativ steht.

Deshalb lernst du hier nicht den Modus. Du lernst die Liste der Wörter, die ihn auslösen.

Wofür WEIRDO steht

Der subjonctif erscheint, wenn der Hauptsatz eines dieser Dinge ausdrückt und dann auf ein que trifft:

Buchstabe Kategorie Typische Auslöser
W Wishes, Wunsch und Wille vouloir que, désirer que, souhaiter que, aimer que
E Emotions, Gefühl être content/triste/surpris que, avoir peur que, regretter que
I Impersonal, unpersönliche Ausdrücke il faut que, il est important que, il vaut mieux que, il est possible que
R Recommendations, Empfehlungen und Bitten suggérer que, recommander que, demander que, proposer que
D Doubt, Zweifel und Verneinung douter que, ne pas penser que, ne pas croire que, il n'est pas sûr que
O Orders, Befehle exiger que, ordonner que, vouloir que (im Befehlssinn)

Lies die Tabelle als Satz: ein Wunsch, ein Gefühl, ein unpersönlicher Ausdruck, eine Empfehlung, ein Zweifel oder ein Befehl. Tut dein Hauptsatz eines dieser sechs Dinge, mach dich auf den Subjonctif gefasst.

Dazu kommt eine Gruppe, die WEIRDO gar nicht abdeckt und die für dich besonders wichtig ist: feste Konjunktionen. Bien que, pour que, avant que, jusqu'à ce que, à moins que verlangen den Subjonctif einfach immer, ganz gleich wie sachlich der Inhalt ist. Das ist der klarste Beleg dafür, dass Französisch nach Vokabel entscheidet und nicht nach Bedeutung.

Der zweiteilige Test

Die sechs Kategorien reichen nicht. Der Subjonctif will beides gleichzeitig:

  1. Ein Auslöser aus den Kategorien im Hauptsatz, und
  2. que, das ihn mit einem zweiten Satz mit anderem Subjekt verbindet.

Je veux (Wunsch) que tu viennes. (Ich will, dass du kommst. Verschiedene Subjekte: je / tu → Subjonctif: viennes.)

Ist das Subjekt dasselbe, überspringt Französisch den Subjonctif und nimmt den Infinitiv:

Je veux venir. (Ich will kommen. Gleiches Subjekt, kein que, kein Subjonctif.)

Der Auslöser bereitet den Modus also vor, aber abgedrückt wird erst durch que plus Subjektwechsel. Hier kannst du dich ausnahmsweise voll auf dein Deutsch verlassen: Du sagst ja auch „ich will kommen“ und nicht „ich will, dass ich komme“.

Das Wichtigste: was NICHT im Subjonctif steht

Und hier kommt die Falle. que bedeutet nicht automatisch Subjonctif. Drückt der Hauptsatz Tatsache oder Gewissheit aus, steht der Indicatif:

Indicatif (Tatsache, Gewissheit) Subjonctif (Auslöser)
Je sais que tu viens Je veux que tu viennes
Il est certain que… vient Il est possible que… vienne
Je pense que… vient Je ne pense pas que… vienne

Die letzte Zeile ist die berühmte: penser und croire stehen im bejahten Satz mit dem Indicatif (du behauptest ja, dass es so ist) und kippen erst im verneinten oder fragenden Satz in den Subjonctif, wo der Zweifel einsetzt.

Genau an dieser Stelle zieht dich dein Deutsch in die falsche Richtung. „Ich hoffe, dass …“ und „ich denke, dass …“ fühlen sich subjektiv an, und im Deutschen kannst du dort ohne Weiteres einen Konjunktiv setzen (ich denke, er sei nicht gekommen). Deshalb sortierst du diese Verben instinktiv unter Wunsch oder Zweifel ein und greifst zum Subjonctif. Französisch sieht das anders:

  • J'espère qu'il vient oder j'espère qu'il viendra. Nie qu'il vienne. Espérer zählt im Französischen als Behauptung, nicht als Wunsch, und nimmt oft sogar das Futur.
  • Je pense qu'il vient, je crois qu'il vient. Indicatif, solange der Satz bejaht ist.
  • Je ne pense pas qu'il vienne. Erst jetzt Subjonctif, weil jetzt Zweifel im Spiel ist.

Merk dir diese drei Verben als deine persönliche Stolperliste: espérer que, penser que, croire que. Immer wenn du dort einen Subjonctif setzen willst, halt an.

Der Rest der WEIRDO-Lektion bestätigt dagegen, was du ohnehin fühlst: Der Subjonctif dreht sich um Subjektivität, also Wille, Gefühl, Zweifel, nie um die nackte Tatsache.

Die Bildung (Kurzfassung)

Sobald feststeht, dass der Subjonctif hinmuss, ist die Bildung meist regelmäßig:

  • Stamm: Nimm die ils-Form des Präsens und streiche -entils parlentparl-.
  • Endungen: -e, -es, -e, -ions, -iez, -ent.
  • Unregelmäßige zum Auswendiglernen: être, avoir, aller, faire, pouvoir, vouloir, savoir, falloir (il faille), also die üblichen häufigen Verdächtigen aus den vier Überlebensverben.

Beachte: Die Formen nous/vous des Subjonctif sehen genauso aus wie im imparfait (que nous parlions). Eine Sache weniger zu lernen.

Die vollständigen Bildungsregeln, Endungen und unregelmäßigen Stämme findest du im Guide zur Konjugation des französischen Subjonctif.

Trainingsplan

  1. Lass das Akronym weg. Ein englisches Wort auswendig zu lernen, um dich an einen Modus zu erinnern, den du sowieso benutzt, ist verlorene Zeit. Lern stattdessen die sechs Kategorien als Checkliste, damit du die französischen Auslöser beim Lesen erkennst.
  2. Lern die Auslöser als Vokabeln. Das ist der eigentliche Aufwand. Schreib il faut que, vouloir que, bien que, pour que, avant que auf Karteikarten wie unregelmäßige Verben, denn genau so verhalten sie sich: als Wortliste, nicht als Regel.
  3. Wende den zweiteiligen Test auf jeden Auslöser an: Gibt es eine Bedeutung von Wille, Gefühl oder Zweifel und ein que mit neuem Subjekt?
  4. Trainiere die drei Fallen gezielt: j'espère que, je pense que, je crois que. Schreib zehn Sätze mit diesen dreien im Indicatif und zehn mit je ne pense pas que und je doute que im Subjonctif, bis der Unterschied sitzt.
  5. Tippe ganze Sätze, keine isolierten Formen. Der Subjonctif ergibt nur innerhalb seines Nebensatzes Sinn.

Wenn du die erschöpfende Aufstellung willst, halt dir die Liste der französischen Subjonctif-Auslöser bereit. Die Liste ist das Was, die sechs Kategorien sind das Warum, das die Liste ordnet.

FAQ

Wofür steht WEIRDO beim französischen Subjonctif?

WEIRDO ist ein englisches Akronym für die Situationen, die den französischen subjonctif auslösen: Wishes (Wunsch, Wille), Emotions (Gefühl), Impersonal expressions (unpersönliche Ausdrücke), Recommendations (Empfehlungen und Bitten), Doubt (Zweifel und Verneinung), Orders (Befehle). Drückt der Hauptsatz eines dieser Dinge aus und folgt darauf que, steht das Verb im Nebensatz meist im Subjonctif. Als Merkwort funktioniert das nur auf Englisch. Auf Deutsch ergibt WEIRDO nichts, also nutze es als Checkliste, nicht als Eselsbrücke.

Woran erkenne ich, wann im Französischen der Subjonctif steht?

Es müssen zwei Dinge zusammenkommen: ein Auslöser aus den sechs Kategorien (Wunsch, Gefühl, unpersönlicher Ausdruck, Empfehlung, Zweifel, Befehl) UND das Wort que, das zwei Sätze mit zwei verschiedenen Subjekten verbindet. Sind beide da, steht das Verb nach que im Subjonctif: Je veux que tu viennes. Verlass dich dabei nicht auf dein deutsches Sprachgefühl, denn Deutsch löst den Konjunktiv an ganz anderen Stellen aus, nämlich bei indirekter Rede und irrealen Bedingungen.

Löst que immer den Subjonctif aus?

Nein. Que ist notwendig, aber nicht hinreichend. Nach einer Feststellung von Tatsache oder Gewissheit (je sais que, il est certain que, je pense que) steht der Indicatif, nicht der Subjonctif. Der Subjonctif braucht que PLUS einen Auslöser, der Wille, Gefühl oder Zweifel ausdrückt, keine bloße Tatsache. Vorsicht bei espérer que und beim bejahten penser que: Beide fühlen sich für dich subjektiv an, verlangen im Französischen aber den Indicatif.